Kennst du einen Mann Namens Philippus? Ich habe ihn beim Lesen der Apostelgeschichte ganz neu kennen gelernt und besonders ein kleines Detail hat mich von seiner Lebensgeschichte sehr ermutigt:

Philippus taucht das erste mal auf, als er als zum Diakon ernannt wird, um die Apostel bei einer praktischen Arbeit, die Versorgung der Witwen, zu unterstützen. (Apg. 6,5) Diese Männer hatten alle einen guten Ruf und waren voll Geist und Weisheit. So ganz sicher auch Philippus.

Nun lesen wir erstmal weiter von Stephanus, ebenso ein ernannter Diakon, der so viel mehr tat, als nur am Tisch zu bedienen. Er steht auf und ist stark und begabt im Predigen und tut viele Zeichen und Wunder. Interessant, finde ich.

Nachdem nun Stephanus als erster Märtyrer stirbt, entsteht eine große Verfolgung und "alle wurden in die Landschaften von Judäa und Samaria zerstreut, ausgenommen die Apostel." (Apg 8,1)

Jetzt lesen wir wieder von Philippus, wie er nach Samaria geht (ein Gebiet, das Juden normal gemieden haben). Eine große Liebe und Leidenschaft treibt ihn zu den Heiden. Er folgt dem Auftrag Jesu: Ihr werdet meine Zeugen sein ... auch in Samaria!

Dort redet Philippus zu großen Volksmengen und auch hier bestätigt Gott seine Botschaft mit vielen Wundern, die er tut. Ein sehr gesegneter und fruchtbarer Dienst, den Philippus hier tut. Ein Vollblut Missionar! Samaria nahm das Wort Gottes an, lesen wir in Apg 8,14 und sogar die Apostel Petrus und Johannes kommen dorthin, um es zu sehen, und den Dienst zu bestätigen.

Dann kommt der Engel des Herrn zu Philippus und ruft ihn. Er ruft ihn auf eine einsame und öde Straße. Weg von den Volksmengen, weg von einem sehr fruchtbaren Dienst. Was nun folgt ist eine recht bekannte Geschichte. Philippus trifft auf einen einflussreichen Äthiopier, der in seinem Wagen sitzt und in der Jesaja Rolle liest. Philippus sieht ihn, beginnt ein Gespräch mit ihm, steigt in den Wagen und erklärt dem Ausländer die Wahrheit und das Geheimnis der Heilsgeschichte Gottes. Der Äthiopier glaubt dem und lässt sich taufen. Er zieht seinen Weg mit Freude und Frieden weiter.

Doch was geschieht mit Philippus? Das ist nun ein sehr interessanter Vers:

Philippus aber fand man zu Aschdod und er zog hindurch und verkündete das Evangelium allen Städten, bis er nach Cäsarea kam. (Apg 8,40)

Diesen Vers fand ich sehr spannend! Philippus war voll und ganz für Jesus unterwegs. Er war bereit hinzugehen, wohin Gott ihn sandte, ob es nun vielversprechend aussah, oder nicht. Er war ein Reisender. Immer unterwegs. Ein Missionar. Eifrig das Evangelium zu verkündigen. Von Stadt zu Stadt zog er. Doch dann lesen wir, dass es ein "Stop" gab, in einer Stadt namens Cäsarea.

Diese Stadt ist eine besondere. Sie erinnert mich vor allem an Kornelius und die Geschichte, als Petrus zu ihm, einen Heiden geschickt wird und somit "offiziell" bekannt wird, dass Gott den Heiligen Geist auch über Heiden ausgießt (um genau zu sein, konnte Gott es gar nicht erwarten das zu tun :)

In dieser Stadt bleibt Philippus. Später in der Apostelgeschichte lesen wir noch einmal von ihm, nämlich als Paulus in die Stadt kommt, als er auf seinem letzten Weg nach Jerusalem ist.

Wir lesen in Apg 21, 8:

Am folgenden Tag aber zogen wir aus und kamen nach Cäsarea und wir gingen in das Haus des Philippus, des Evangelisten, der einer von den Sieben war, und blieben bei ihm. Dieser aber hatte vier Töchter...

Dieser Vers hat mich so ermutigt.

Mein Leben war bisher auch geprägt vom unterwegs sein. An vielen unterschiedlichen Orten habe ich gelebt, zuletzt acht Jahre in Albanien, mein Name bedeutet "unterwegs sein" im arabischen. Das bin ich. Ein bisschen wie Philippus, so ist mein Herz.

Dann jedoch ruft ihn Gott zum sesshaft werden. Sein unterwegs sein hat hier erstmal ein Ende. Er ist ein Vollblut Evangelist, sicher liebte er es, unterwegs zu sein, immer wieder neue Orte zu sehen und dieses spannende Leben zu führen. Doch in Cäsarea sagt Gott zu ihm: Stop. Hier bleibst du erstmal. Und in diesem Vers sehen wir, dass er ein Haus gebaut oder gekauft hat und dass er eine große Familie gegründet hat (mindestens 4 Töchter hatte er). Er war gastfreundlich und sicher eine Schlüsselfigur der Gemeinde in Cäsarea.

Und er war Gott gehorsam. Das wurde mir hier bewusst. Gott ruft uns zu unterschiedlichen Zeiten für unterschiedliche Aufgaben. Mal heißt es: Zieh los. Steh auf. Mach dich auf den Weg. Und mal heißt es: Bleib hier. Werde sesshaft. Baue ein Haus. Gründe eine Familie.

Warum war es für mich so ermutigend? - Ich habe eine ganze zeitlang damit gehadert, dass ich in ein "sesshaftes" Leben nach Deutschland kommen musste. Gott hatte uns klar geführt darin, ein Haus zu kaufen (was ich nie gedacht hätte) und jetzt erstmal an einem Ort fest zu sein. Das ist für mein "unterwegs sein wollendes" Herz nicht einfach gewesen. Teilweise habe ich es als geringer angesehen. Nicht so spannend, nicht so wichtig, nicht so bedeutend. Ein Abstieg sozusagen.

Doch Philippus hat mich etwas gelehrt: Bis nach Cäsarea hat Gott mich so geführt und gebraucht, jetzt gebraucht er mich anders, aber nicht weniger, nicht weniger wichtig.

Ich stehe auch gerade in meinem Cäsarea. Habe ein Haus und Kinder. Lebe ein Leben im Glauben und im Vertrauen (wenigstens versuche ich das). Öffne mein Haus für alle. Und will sehen, wie er mich auch hier gebraucht. Will im Glauben und Vertrauen und dem, was Gott mir aufträgt immer noch im Herzen unterwegs sein. Weil ER mich immer weiter führt, auch wenn es örtlich erstmal heißt:

hier bleibst du.