Was war das gestern doch für ein besonderer Tag!
Nicht nur, dass der neue Bundestag gewählt wurde... Es war sicher der bisher wärmste Tag des Jahres, von morgen an blauer Himmel, Vogelgezwitscher und eine Sonne, die langsam, aber unaufhaltsam an den Häusern hochkrabbelte und sich dann den ganzen lieben, immer länger werdenden Tag ausbreitete.
Wir machten uns als Familie am Nachmittag auf in den Wald. In den acht Jahren in Albanien war es unter anderem das, was ich am meisten vermisste: einfach mal ab in den Wald gehen.
Jetzt lebe ich wieder in Deutschland und merke, dass ich das viel zu wenig tue. Aber immer, wenn ich mich aufmache, am besten noch mit Mann und Kindern, dann überkommt mich im Nu ein Gefühl der Ruhe und der Freude. Der Wald - er ist mein Freund seit ich denken kann.


Aufgewachsen im Frankenwald war er mein ständiger Begleiter. Vor allem als Jugendliche verbrachte ich sehr viel Zeit zwischen Bäumen, auf sonnigen und blumigen Lichtungen, auf Jägerständen und auf matschigen Waldwegen.
Der Wald ist mein Freund. Er ist geduldig, er ist beständig, er hört sich alles an, er schaut mich freundlich an. Wenn ich im Wald bin, dann habe ich das Gefühl, dass alles gut wird. Dass alles ok ist.
Der Wald ist mein Freund geworden weil er mir einen wundersamen Boden bereitet hat, um meinem Gott zu begegnen. Er hat mir einen heiligen Raum geschaffen, um mit meinem Schöpfer, meinem Vater im Himmel in Beziehung zu treten.
Die feststehenden Bäume, an denen ich mich anlehnen, zu denen ich hinaufschauen konnte, die mir Schatten spendeten und die einfach da waren - sie erinnern mich an Gottes unerschütterliche, feststehende Liebe und Treue - jeden Morgen neu! Sagen mir still, wohin ich schauen muss, wenn mir alles zuviel wird - nach oben. Geben mir Schutz und Sicherheit und sind einfach da. Treu und geduldig warten sie auf mich. So habe ich das als junges Mädchen erlebt. Sobald ich mich über das windige freie Feld gekämpft hatte und in den windstillen Wald eintauchte, war ich da, wo ich einfach sein konnte. Meine Lieblingsstelle erwartete mich und ich konnte durchatmeten. Manchmal in Tränen aufgelöst, ratlos, voller Fragen im Herzen, freudig oder staunend - ich glaube es gibt keine Gefühlsregung, die ich nicht in meinem Wald gespürt und verarbeitet habe.
Manche haben Angst vor dem Wald. Auch davor, allein zu sein. Für mich gibt es kaum etwas schöneres. Der Wald ist sicher nicht überall der gleiche, aber das Gefühl, welches der Wald mir gibt, das ist das gleiche. Für mich ist es Geborgenheit und eben - die Begegnung mit Gott.


Ab in den Wald, so heißt eine der Eifel Schleifen. Und gestern dachte ich einmal mehr, warum ich nicht viel öfter einfach "ab in den Wald" gehe. Tief einatmen und Frieden ausatmen, den nicht der Wald mir gibt, sondern mein mich liebender Vater im Himmel.
Der Wald ist mein Freund. Ich bin Gott so dankbar, dass ich ihn habe. Ich stehe staunend da und kann sehen, wie Gott mir darin begegnet. Mein liebevoller, sich um mich kümmernder Vater, der mir in der Stille des Waldes, wenn das Tageslicht schon tief durch die Bäume flutet, zuflüstert, dass alles gut werden wird. Das ist gerade alles, was ich wissen muss.
Vertraue.



Wann bist du das letzte mal "ab in den Wald"?
Und noch weitere Geschenke des Waldes: 😊



